Technologie Pioniere seit 1838
KraussMaffei feiert 180 Jahre Unternehmensgeschichte

Die Unternehmensgeschichte von KraussMaffei wurde von Johannes Bähr, Paul Erker und Maximiliane Rieder wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist jetzt pünktlich zum 180sten Firmenjubiläum als Buch* erschienen. Darin zeichnen sie auf 480 Seiten den Weg unseres Unternehmens durch die Zeit von seiner Gründung bis heute detailreich nach.

Text Gerhard Konrad  Fotos KraussMaffei; Bayerisches Wirtschaftsarchiv

Von der Gründung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs reicht das erste Kapitel, gefolgt vom „Zeitalter der Extreme“ von 1918 bis 1945. Die Transformation zum Weltmarktführer für Maschinen zur Kunststoff- und Gummiverarbeitung beschreibt der dritte Abschnitt. Er deckt auch die jüngste Entwicklung, die Eingliederung in den ChemChina-Konzern mit ab.

Gründung und Krisen

Im Jahr 1838 gründete der italienischstämmige Bankier Joseph Anton von Maffei in München eine Lokomotivenfabrik, das Eisenwerk Hirschau. Die erste Lokomotive „Der Münchner“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h wurde 1841 ausgeliefert.   1866 errichtete Georg Krauß ein Konkurrenzunternehmen. Krauss und Maffei hatten mit ihren Loks wesentlichen Anteil am Ausbau des Eisenbahnverkehrs in Europa. Boomphasen, Kriegszeiten und die Krisen der 1920er Jahre prägten die Firmenentwicklung der Firmen J.A. Maffei AG und Lokomotivfabrik Krauss & Cie. gleichermaßen. 1930, als die Weltwirtschaftskrise ihrem Höhepunkt zustrebte, geriet auch die Maffei AG in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1931 von Krauss übernommen. Jetzt hieß das Unternehmen Lokomotivfabrik Krauss & Comp. – J. A. Maffei A.-G. München, ab 1940 dann offiziell Krauss-Maffei AG. Weiterhin lag die Stärke im Lokomotivenbau. Das Portfolio wurde aber seit 1925 um Lastkraftwagen und später um Zugmaschinen erweitert. Auch in den Jahren der NS-Herrschaft und des 2. Weltkriegs blieb es bei diesem Produktprogramm.

Lokomotive "Der Münchner"
Lokomotive "Der Münchner"
Die erste Lokomotive „Der Münchner“ wurde 1841 vom Eisenwerk Hirschau ausgeliefert.
Labormaschine Alpha 1
Labormaschine Alpha 1
Legendär ist die Alpha 1, eine multifunktionale Labormaschine mit 5000 Tonnen Schließkraft.

Die große Transformation

Die Transformation zu einem der bedeutendsten Rüstungskonzerne Deutschlands und später zum Marktführer für Kunststoffmaschinen mit rein zivilem Portfolio folgte erst in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Diese Phase verlief alles andere als gradlinig. So bieten auch diese Kapitel spannenden Lesestoff, nicht nur für historisch Interessierte. Gerade auch im Segment Kunststoffverarbeitung ist der Pioniergeist präsent, der seit der Gründung bei KraussMaffei herrscht. Die ersten Spritzgießmaschinen baute man in München-Allach im Jahr 1957. Knapp 30 Jahre später war die Kunststoffmaschinenfertigung eine eigenständige GmbH und technologisch an der Weltspitze. Jede fünfte Maschine für die Herstellung von CDs kam 1986 von KraussMaffei. Bereits 1987 gehörte eine Mikroprozessorsteuerung zur Serienausstattung der Maschinen. Legendär ist die Alpha 1, eine multifunktionale Labormaschine mit 5000 Tonnen Schließkraft, die von General Electric in Auftrag gegeben worden war. Sie wog rund 1000 Tonnen. Besonders eng ist seit langem die Verbindung von KraussMaffei zur Automobilindustrie. Kein Zufall, dass die 5000ste Spritzgießmaschine der Baureihe B im Sommer 1994 an einen Autozulieferer in Asien ging.

Spitzentechnik für die Kunststoffverarbeitung

Mit der Einführung der MC-Baureihe im Zwei-Platten-Schließkonzept konnten ab 1995 Spritzgießmaschinen rund ein Drittel kürzer gebaut werden. Im gleichen Jahr ging auch der erste Doppelschneckenextruder für die Produktion von PVC-Profilen in Betrieb. Bei einer Leistung von 1000 kg pro Stunde produzierte er zwei Profile gleichzeitig.

Wachstum und Diversifizierung

Für das Gesamtunternehmen wurden die Kunststoffmaschinen immer wichtiger. 1995 betrug der Umsatz der Sparte erstmals über eine Milliarde DM und 1997 kam bereits die Hälfte des Konzernumsatzes aus diesem Segment. Dazu hatte eine Reihe von Unternehmenszukäufen beigetragen. Seit 1991 gehört die Netstal Maschinen AG in Näfels/CH zum Konzern. Spezialisiert auf PET-Vorformlinge auf hochpräzisen Mehrfachwerkzeugen leistet sie bis heute einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Als weiteres Standbein kam 1994 die Berstorff Maschinenbau, spezialisiert auf Anlagen für die Kautschukverarbeitung, dazu. Ende der 90er Jahre kam es zur Neustrukturierung der Eigentumsverhältnisse aus der schließlich die KraussMaffei-Gruppe als Unternehmen für die drei Sparten Spritzgießen, Reaktionstechnik und Extrusionstechnik bzw. Kautschukverarbeitung hervorging. Seit April 2016 ist KraussMaffei Teil der ChemChina-Gruppe und setzt mit diesem starken Rückhalt seinen Weg in die Zukunft gestärkt fort.

*180 Jahre KraussMaffei - Die Geschichte einer Weltmarke“.  480 Seiten, Siedler Verlag München, März 2018.  ISBN 978-3-8275-0119-6