KraussMaffei erschließt sich den chinesischen Kapitalmarkt
ChemChina bringt Anteile der KraussMaffei Group in börsennotierte Mehrheitsbeteiligung ein

Die KraussMaffei Group (KraussMaffei) hat am 28./29. Dezember 2018 den Gang an die Börse in Shanghai vollzogen. Der Börsengang erfolgte durch Übertragung der Anteile an KraussMaffei auf die ChemChina-Mehrheitsbeteiligung THY (Qingdao Tianhua Institute of Chemistry Engineering), die an der Börse notiert ist.

Text Uli Pecher  Fotos istockphoto

Zusätzlich übernimmt THY das Werk von ChemChina in Sanming, China. Dort werden künftig neue Baureihen von Spritzgießmaschinen für den chinesischen Markt gefertigt. Dr. Frank Stieler und Dr. Harald Nippel, CEO und CFO von KraussMaffei, werden den neuen integrierten Maschinenbaukonzern leiten. Dieser wird künftig unter dem Namen KraussMaffei im Markt auftreten.

KraussMaffei erwirtschaftet mehr als 80 Prozent des Umsatzes der Gesellschaft. Diese wird nach heutigem Stand einen Umsatz von rund 1,5 Mrd. Euro haben. "Wir freuen uns sehr. Hier entsteht etwas Großes! Wir haben nun die Möglichkeit, unser Wachstum noch schneller und besser voranzutreiben. Das Listing erschließt uns den Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt. Dieser Schritt wird uns sowohl in China als auch weltweit erheblich stärken", sagt Dr. Frank Stieler, CEO von KraussMaffei.

"Mit dem zusätzlichen Werk in Sanming können wir unsere Präsenz in China weiter ausbauen. Unser internationales Geschäft werden wir wie bisher aus Deutschland betreiben und weiterentwickeln“, sagt Stieler. 

Dr. Frank Stieler, CEO von KraussMaffei
Dr. Frank Stieler, CEO von KraussMaffei
freut sich über das Listing am chinesischen Kapitalmarkt.

KraussMaffei will Wachstum weiter beschleunigen

KraussMaffei ist einer der weltweit führenden Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Produktion von Kunststoff und Gummi. Durch den Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt will KraussMaffei sein Wachstum weiter beschleunigen.

Der Zugang zu neuen finanziellen Mitteln soll auf die Strategie "Compass" einzahlen. "Wir erweitern unser Produktportfolio um neue Baureihen für die Volumenmärkte und bauen unsere Services und digitalen Dienstleistungsprodukte aus. Lokale Geschäftsmodelle, insbesondere in China, treiben wir zügig voran", erklärt Stieler.

Mit der Strategie "Compass" setzt KraussMaffei auf die Erweiterung seiner Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich der digitalen Dienstleistungen. Dazu hat das Unternehmen bereits im Juli 2018 die neue Geschäftseinheit Digital Service Solutions gegründet. 

In China will KraussMaffei seine Präsenz deutlich ausbauen. KraussMaffei übernimmt ab sofort die operative Verantwortung des eingebrachten Werkes in Sanming, China. Dort sollen künftig neu entwickelte KraussMaffei Baureihen von Spritzgießmaschinen für den lokalen chinesischen Markt montiert werden. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach derartigen Baureihen mit hohem Qualitätsstandard rechnet KraussMaffei für die kommenden Jahre in China mit einem jährlichen Umsatzwachstum von über 20 Prozent (CAGR).

Das Produktportfolio
Das Produktportfolio
an Spritzgießmaschinen soll erweitert werden.

Das bisherige Geschäft von THY wird fortgeführt. THY ist ein führendes Designinstitut und Spezialmaschinenbauer für Komponenten des Chemieanlagenbaus.

Arbeitnehmervertreter und IG Metall begrüßen die Chancen des Kapitalmarktzugangs in China

Das Geschäft von KraussMaffei wird auch zukünftig vom Firmensitz in München, Deutschland geführt. Sowohl die deutsche Mitbestimmung, die Rechtsform der KraussMaffei Group GmbH als auch sämtliche Mitarbeiter- sowie Gewerkschaftsvereinbarungen bleiben bestehen. Auch die Rechte an den Technologien bleiben in Deutschland gebündelt.

Die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall sehen den Schritt an den Kapitalmarkt für KraussMaffei positiv. "Wir sind von den Wachstumschancen, die sich durch den Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt ergeben, überzeugt. Die Einbringung ist eine positive Weiterentwicklung für KraussMaffei und bietet Chancen, weiterhin Arbeitsplätze auch in Deutschland zu sichern und aufzubauen", sagt Susanne Meyer, stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats von KraussMaffei. 

Auch die IG Metall steht der Entwicklung positiv gegenüber. "ChemChina bleibt ein verlässlicher Partner für KraussMaffei und hält wie versprochen an seinen Plänen für KraussMaffei fest. Wir sind von den Chancen der Einbringung an der Börse Shanghai überzeugt", sagt Horst Lischka, als Unternehmensbeauftragter der IG Metall zuständig für München und Mitglied des Präsidiums des Aufsichtsrats von KraussMaffei. 

ChemChina bleibt Mehrheitsaktionär bei THY

KraussMaffei ist seit April 2016 mehrheitlich im Besitz des führenden chinesischen Chemiekonzerns ChemChina. Dieser hält auch weiterhin die Mehrheit der Anteile an KraussMaffei über die THY und wird auch das künftige Wachstum des Unternehmens unterstützen. Für die Anteile von ChemChina an THY besteht eine Haltefrist von drei Jahren. 

Die Mehrheitsbeteiligung von ChemChina wird unter dem Tickersymbol 600579.SSan der Börse Shanghai notiert.